Bulletin – Das Magazin des TU Wien alumni club

Leseprobe aus dem Schwerpunkt

Autor: Siemens
Fotos: Siemens

Die Zukunft hat gestern begonnen

Der digitale Wandel in der Industrie ist unaufhaltbar. Unternehmen profitieren durch höhere Produktivität, Flexibilität sowie kürzere Markteinführungszeiten. Für ihre Kunden bedeutet das: individuellere und hochwertigere Produkte.

Fünfzehn, zwanzig Jahre sind eine vergleichsweise kurze Zeit. Damals, etwa zur Jahrtausendwende, war die Welt der Wirtschaft noch einfach und verständlich. Die Märkte waren klar abgesteckt, die maßgeblichen Player bekannt, ihre Geschäftsmodelle vergleichbar.


Bulletin Juni 2017
Dezember – Juni

 

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Schwerpunkt: Siemens und der digitale Wandel in der Industrie | Die Zukunft hat gestern begonnen

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Heute ist von dieser Klarheit wenig geblieben. Die Digitalisierung eröffnet Branchenfremden Zugänge zu Märkten, die früher faktisch abgeschottet waren. Wie aus dem Nichts entstehen völlig neue Geschäftsmodelle und Wettbewerber. Der Markteintritt für Start-ups ist heute viel leichter. Dank neuer Technologien wie Cloud Computing benötigen sie viel weniger Startkapital. Die Wirtschaft befindet sich mitten im größten und schnellsten Transformationsprozess ihrer Geschichte. Nichts hat mehr Bestand. Das schnelle Antizipieren von Marktverschiebungen, von technologischen Entwicklungen, gesellschaftlichen Trends und von umweltpolitischen Notwendigkeiten ist wichtiger denn je.

Durch Digitalisierung wird es möglich, alle Wertschöpfungsstufen zu verschmelzen. Die Technologiesprünge betreffen sowohl das Volumen der Daten (Big Data) als auch deren Auswertung und praktische Verwendung (Smart Data). Vorausschauende Organisationen schaffen jetzt die Voraussetzungen, um auf die fundamentalen Veränderungen flexibel reagieren zu können oder diese mitzubestimmen. Zu den Grundvoraussetzungen zählen Know-how, Innovationskraft, Kreativität, Veränderungsbereitschaft und gesellschaftliche Akzeptanz. Ferner müssen Unternehmen verstärkt Partnerschaften und Kooperationen eingehen.


Ob Lösungen für die Fertigungs- und Prozessindustrie, ob Technologien für die Erzeugung und Verteilung von Energie, ob für Gebäudeautomatisierung oder für optimierten Individual- und öffentlichen Verkehr: Wenn es darum geht, in einer zunehmend digitalisierten und automatisierten Welt zu bestehen, ist Siemens dank führender Technologiepositionen mit einer Erfahrung von knapp 170 Jahren sowie fundiertem Know-how in der Elektrifizierung und Automatisierung bestens aufgestellt. Erfahrung ist das eine, Innovationsstärke das andere. Auch in diesem Punkt stellt Siemens seit Jahrzehnten seine Vorreiterrolle unter Beweis. Zum Beispiel zählte die Boston Consulting Group die Siemens AG im Jahr 2015 zu den 30 innovativsten Unternehmen der Welt. Hinzu kommen große Kooperationsstärke und viel Unternehmergeist der Mitarbeiter. Mit rund 17.500 Software-Ingenieuren zählt Siemens rechnerisch zu den größten Softwareunternehmen der Welt.

 

Tausende Siemens-Ingenieure beschäftigen sich täglich mit der Frage, wie Hard- und Software schneller zusammenwachsen können, sei es in den Bereichen intelligente Fabriken, neue Formen der Mobilität, innovative Gebäudetechnik oder wie sich Automatisierungstechnologien und die Erzeugung und Verteilung von Energie in dezentralen Netzen weiter optimieren und zukunftsfähig organisieren lassen. Dabei helfen Cloudtechnologien oder Datenanalytik, aber auch die Zusammenarbeit mit Lieferanten, Kunden, wissenschaftlichen Einrichtungen und mit Start-ups. Zusätzlich besitzt Siemens einen unermesslichen Vorteil gegenüber neuen Marktteilnehmern aus der rein digitalen Welt: Branchenkompetenz.

 

Siemens versteht die Prozesse der Kunden – und kann zudem das gesamte Spektrum benötigter Technologien aus einer Hand anbieten. Doch nicht nur der technologische Fortschritt treibt die Entwicklung des Digital Enterprise voran. „Maßgeblich sind die Kunden. Sie möchten auf dem Weg zum Digital Enterprise unterstützt werden und fragen nach entsprechenden Lösungen und Produkten“, sagt Peter Weckesser, Chief Operating Officer der Siemens Business Unit Product Lifecycle Management der Digital Factory Division. Kein Wunder: „Kurze Markteinführungszeit – time to market – wird immer wichtiger“, so Weckesser. Und dies erfordere ganzheitliche, digitalisierte Prozesse. Zudem müssten immer individuellere Kundenbedürfnisse flexibel bedient werden können. „Ziel ist die Losgröße 1. Bei Nike etwa können sich die Käufer bereits ihren Namen ab Fabrik auf die Sportschuhe sticken lassen“, sagt Weckesser. Und schließlich geht es auch darum, die Produktivität zu steigern, Arbeitskräfte und Maschinen effizienter einzusetzen sowie den Verbrauch von Energie und Rohstoffen zu minimieren.

 

Das Industrieunternehmen der Zukunft wird ein Digital Enterprise sein. Dabei geht es darum, die Kernprozesse über den gesamten Produktentwicklungs- und Produktionsprozess nahtlos zu digitalisieren, mit Softwaretools zu unterstützen und Wertschöpfungsprozesse zu verketten. Das gilt für diskrete Industrie und die Prozessindustrie gleichermaßen, denn Industrie 4.0 betrifft alle Branchen. Der Weg zum Digital Enterprise umfasst vier Kernelemente, die logisch aufeinander aufbauen: Das sind zum einen industrielle Softwarelösungen für durchgängige Prozesse – von der Entwicklung über die Produktion bis zu den Services. Ferner benötigt das Digital Enterprise eine effiziente Kommunikationsinfrastruktur, die Menschen und Maschinen miteinander verknüpft und den vernetzten Austausch von Daten ermöglicht. Außerdem sind zuverlässige Sicherheitslösungen erforderlich, die in einer Online-Welt den Schutz von Betriebs- und Produktgeheimnissen gewährleisten. Das vierte Kernelement besteht aus digitalen Services, die den Kundendienst erheblich verbessern und neue Geschäftsmodelle ermöglichen.

 

Übergeordnetes Merkmal ist, dass sämtliche relevanten Daten erfasst, übermittelt und ausgewertet werden. Von Beginn an, schon bei der Produktentwicklung, müssen Innovationen digital designt, getestet und modifiziert werden. Lange bevor das erste physische Produkt entsteht, erzeugen die Entwickler einen digitalen Zwilling. Damit lässt sich in virtuellen Tests feststellen, ob und wie das Produkt funktioniert. Im Idealfall müssen die Konstrukteure später am realen Endprodukt nichts mehr ändern. „Ziel ist, dass bereits der erste gebaute Prototyp verkauft werden kann“, sagt Weckesser. Die Digitalisierung umfasst auch sämtliche Services für den Kunden. Sie unterstützen ihn dabei, die ausgelieferten Produkte maximal produktiv einzusetzen, die Betriebskosten zu reduzieren und insgesamt den größtmöglichen Nutzen aus ihnen zu ziehen. Damit verbunden sind häufig neue Geschäftsmodelle und Kundenbeziehungen.

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