Alumna DI Nermina Mumic im Portrait

Alumna DI Nermina Mumic im Portrait

Gründerin und CEO vom Wiener Startup Legitary im Gespräch mit dem TUWac

Foto: (c) Philipp Lipiarski

 

TUWac: Frau Mumic, womit genau beschäftigt sich Ihr Startup?

Mumic: Der Streaming-Markt ist in den letzten Jahren rasant gewachsen und vor allem durch die Covid-19-Pandemie zu einer der wichtigsten Einnahmequellen für Künstler:innen geworden. Bisher war es aber so: Musiker:innen mussten darauf vertrauen, dass Streaming-Dienste wie Spotify, YouTube oder AppleMusic am Monatsende die richtigen Zahlen zur Berechnung der Auszahlungen liefern. Ob eine Künstlerin wie Taylor Swift fünf Tausend Mal oder tatsächlich fünf Millionen Mal gestreamt wurde, konnte nicht bestätigt werden. Mit Legitary haben wir eine Machine Learning-Lösung entwickelt, mit der diese Streamingzahlen verifiziert und falsche Abrechnungen aufgedeckt werden können.

Mittlerweile konnten wir knapp 100 Milliarden Streams aus der gesamten Industrie analysieren und feststellen, dass im Schnitt etwa sieben Prozent der Umsätze nicht an die Musiker:innen ausbezahlt werden. Wenn man das auf die ganze Streamingindustrie hochrechnet, sind das pro Jahr etwa eine Milliarde Dollar, die nicht korrekt bezahlt werden. Mit Legitary wollen wir für mehr Fairness und Transparenz im gesamten Markt sorgen.

 

Wann und wie kamen Sie zum Entschluss, ein Startup auf die Beine zu stellen?

Mir war schon immer wichtig, mich selbst zu verwirklichen und etwas aufzubauen. Zu meinem Glück präsentierte mir mein ehemaliger Master-Betreuer Prof. Peter Filzmoser ein spannendes Forschungsangebot zum Thema Betrugserkennung im Musikstreaming. Die Ursprungsidee zu Legitary stammt dabei von Günter Loibl, der seit knapp 30 Jahren in der Musikbranche tätig ist. Gemeinsam mit ihm forschten wir nach einer smarten Lösung und entwickelten an der TU Wien wenige Monate später das inzwischen patentierte Analyse-Tool. Dann ging es sehr rasch. Zahlreiche Auditing-Firmen und Labels sind auf uns zugekommen und haben ihr Interesse an Legitary angekündigt. Anfang 2019 stand fest – wir möchten in die Gründung gehen.

 

Sie haben Mathematik und Statistik an der TU Wien studiert. Wie wertvoll war Ihre Ausbildung für Ihre berufliche Laufbahn?

Mit der fundierten mathematischen Ausbildung, die man an der TU Wien erhält, ist man am Markt absolut gefragt. Allgemein entsteht gerade ein sehr großes Bewusstsein für Machine Learning und Künstliche Intelligenz und die TU Wien vermittelt hierfür das notwendige fachliche und methodische Know-How.

 

Welchen Tipp würden Sie jungen, aufstrebenden Absolvent:innen geben, die in die Gründung gehen möchten?

Stellen Sie sich der Herausforderung! Die Nachfrage ist riesig und Sie sind top ausgebildet, also werden Ihnen sehr viele Möglichkeiten offenstehen.

 

Zur Person Nermina Mumic:

Die Absolventin des Studiengangs Technische Mathematik und Statistik (Bachelor und Master) forscht am Institut für Stochastik und Wirtschaftsmathematik, Forschungsbereich Computational Statistics. Im Jahr 2019 gründete sie gemeinsam mit Prof. Peter Filzmoser und dem Geschäftsführer des digitalen Musikvertriebs Rebeat, Günter Loibl, das Wiener Startup Legitary.

 


Nähere Infos zum Startup: Legitary

Sandra Spicker, 9. September 2021